Haarscheinrüssler

Mycterus curculioides
Die Haarscheinrüssler (Mycteridae) sind eine Familie der Käfer.

Die Käfer sind langgestreckt mit langovalem bis schmal parallelseitigem Körperumriss und meist etwas abgeplattet. Sie erreichen knapp 3 bis etwa 9 Millimeter Körperlänge. Der Körper ist meist dicht behaart mit feinen, etwas abstehenden Haarborsten. Der Kopf trägt kurze, bis mäßig lange, Antennen, deren distale (äußere) Glieder vergrößert sind, bei einigen Gattungen sind sie beim Männchen geschlechtsspezifisch abgewandelt, zum Beispiel gekämmt. Die Maxillarpalpen besitzen ein beilförmiges bis messerförmiges Endglied. Der Kopf besitzt meist ovalen Umriss mit hinter den Augen verengten Schläfen. Nur bei der Gattung Mycterus ist er schnauzen- oder rüsselförmig verlängert, worauf der deutsche Name Bezug nimmt. Der Halsschild ist quadratisch bis herzförmig, bei Mycterus glockenförmig von der Basis nach vorn verengt. Die Elytren sind meist schmal und parallelseitig, bei einigen Gattungen seitlich oval erweitert. Die Tarsen der Beinpaare besitzen verschiedene Gliederzahlen, vorn und in der Mitte fünf, an den Hinterbeinen vier Glieder (Tarsenformel 5-5-4), wie typisch für die Tenebrionoidea (deshalb früher Heteromera genannt). Das vorletzte Tarsenglied aller Beinpaare ist etwas verbreitert und auf der Unterseite dicht behaart.
Die Larven sind, soweit bekannt, langgestreckt parallelseitig und merklich abgeplattet, sie erreichen etwa 5 bis 30 Millimeter Körperlänge. Sie sind mit Ausnahme der Kopfkapsel und des neunten Tergiten schwach sklerotisiert. Der Kopf ist nach vorn vorgestreckt (prognath), breit und flach, mit 2 oder 5 Larvenaugen (Stemmata). Die Antennen sind dreigliedrig, das Labrum frei. Die symmetrischen Mandibeln sind zwei- oder dreispitzig ohne Kaulade (Mola) und beweglichen Anhang (Prostheca). Der Rumpfabschnitt trägt drei kurze, fünfgliedrige Beinpaare, er ist schmaler als der Hinterleib. Das neunte Hinterleibssegment bildet eine stark sklerotisierte Platte mit zwei Fortsätzen (Urogomphi) und meist ein bis vier kleinen Zähnchen oder Fortsätzen zwischen diesen am Hinterrand. Das neunte Sternum ist tief u-förmig ausgeschnitten und umgibt das zehnte Segment.
Die Familie ist beinahe weltweit verbreitet mit Verbreitungsschwerpunkt in subtropischen bis tropischen Breiten. Die Gattung Mycterus besitzt eine weite Verbreitung mit Schwerpunkt in den temperaten (gemäßigten) Breiten beider Hemisphären, nur sie kommt auch in Mitteleuropa vor. Man findet man vor allem an trockenwarmen Hanglagen als Blütenbesucher bei Disteln.
Die Lebensweise, insbesondere der tropischen Arten ist meist unzureichend bekannt. Die adulten Käfer sind, soweit Nahrungsaufnahme bekannt ist, Blütenbesucher. Die Larven der Hemipeplinae scheinen sämtlich an einkeimblättrige Pflanzen gebunden zu sein, meist an Palmen. Die stark abgeplatteten Larven leben hier zwischen den noch nicht geöffneten, jungen Blattwedeln. Sie ernähren sich aber offensichtlich nicht von pflanzlicher Substanz, sondern fressen hier wachsende Pilzhyphen. Die Larven der Mycterinae und Eurypinae sind von abgestorbenem Totholz bekannt, wo sie meist zwischen Holz und Rinde leben, einige Eurypinae sind, wie Hemipeplinae, an der Blattbasis oder zwischen jungen Blattwedeln von Palmen gefunden worden. Sie sind vermutlich ebenfalls Pilzfresser (mycetophag).
Die Familie umfasst weltweit etwa 160 beschriebene Arten in 30 Gattungen, es sind aber zahlreiche noch unbeschriebene Arten bekannt. Sie wird in drei Unterfamilien gegliedert:
In Europa ist die Familie der Haarscheinrüssler nur mit der Gattung Mycterus und drei Arten vertreten, in Mitteleuropa kommen nur zwei Arten vor.
Die Mycteridae gehören in die „Salpingiden-Gruppe“ der Überfamilie Tenebrionoidea. Früher wurden sie gemeinsam mit den Scheinrüsslern (Salpingidae) in die Familie der Drachenkäfer (Pythidae) eingeordnet, oder sie wurden in eine weitgefasste Familie Melandryidae, oder Düsterkäfer, einsortiert. Ihre Schwestergruppe könnte nach morphologischen Analysen die kleine, nur 6 Arten umfassende Familie Boridae sein, mit den Prostomidae als gemeinsamer Schwestergruppe dieser Klade.

Rozelle House

Rozelle House ist ein Herrenhaus in der schottischen Stadt Ayr in der Council Area South Ayrshire. 1971 wurde das Gebäude in die schottischen Denkmallisten in der höchsten Kategorie A aufgenommen. Des Weiteren bildet es zusammen mit der Rozelle Lodge ein Denkmalensemble der Kategorie B.

Die Ländereien befanden sich über Jahrhunderte in Besitz des Burghs Ayr. Erst 1754 sah sich die Stadt zur Reduktion ihres Schuldenstandes zum Verkauf genötigt. Der Geschäftsmann Robert Hamilton, der sein Vermögen mit dem Zucker- und Tabakhandel auf den Westindischen Inseln gemacht hatte, erwarb die Ländereien zum Preis von 2000 £. Im selben Jahr ließ Hamilton den Bau von Rozelle House beginnen. Das im Jahre 1760 fertiggestellte Gebäude wurde Rozelle nach Rochelle, dem Familienanwesen auf Jamaika, benannt.
Zwischen 1829 und 1831 wurde Rozelle House durch den schottischen Architekten David Bryce überarbeitet. Bis zum 15. November 1968 befand sich das Anwesen in Familienbesitz, als John Hamilton es der Stadt Ayr schenkte. Zuvor war die Familie bereits in finanzielle Schwierigkeiten geraten und musste Teile der Ländereien veräußern. Die Stadt nutzt Rozelle House zu kulturellen Zwecken. So ist unter Anderem in dem Herrenhaus das Ayrshire Yeomanry Museum und in den ehemaligen Stallungen die Maclaurin Galleries eingerichtet.
Der Corps de Logis des palladianischen Herrenhauses ist zweistöckig. Mittig tritt der Eingangsbereich hervor. Er wird über eine kurze Vortreppe erreicht und ist mit Gesimse und Blendpfeilern gestaltet. Beidseitig gehen einstöckige geschwungene Flügel von diesem Gebäudeteil ab, die jeweils einen Viertelkreis beschreiben. Sie verbinden den Haupttrakt mit den vorgelagerten Pavillons. Der rechte Pavillon ist drei Achsen weit und mit zentraler Eingangstüre gestaltet. In dem linken Pavillon waren ehemals die Stallungen untergebracht. Ein Gesime bekrönt den Torweg zu dem Innenhof. Der Torweg ist mit Segmentbogen mit Schlussstein gearbeitet.
55.436527777778-4.6284444444444Koordinaten: 55° 26′ 12″ N, 4° 37′ 42″ W

iz3w

iz3w bezeichnet das informationszentrum 3. welt in Freiburg im Breisgau. Dies ging aus der 1968 gegründeten Aktion 3. Welt (ADW) hervor.
Das informationszentrum 3. welt hat mehrere Schwerpunkte. Eine Haupttätigkeit liegt in der Herausgabe der gleichnamigen Zeitschrift iz3w (früher: blätter des informationszentrums 3. welt). Die iz3w erscheint seit 1970 und ist damit neben der afrika süd (Bonn) eine der ältesten unabhängigen entwicklungspolitischen Zeitschriften in Deutschland. Sie ist in Bibliotheken, einigen Buchläden, Bahnhofsbuchhandlungen und Dritte-Welt-Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich und auch online bestellbar. Jährlich erscheinen sechs Ausgaben der Zeitschrift (bis 2007 acht). Der Fokus der Zeitschrift richtet sich auf Themen wie Globalisierung, Rassismus, Entwicklungspolitik und Ökologie und beleuchtet darüber hinaus medien- und kulturpolitische Aspekte. Diese und andere Themenbereiche werden im Lichte des Verhältnisses zwischen Nord und Süd analysiert, denn trotz aller Verschiebungen der jüngsten Zeit stellt dieses weiterhin einen Angelpunkt der politischen, ökonomischen und kulturellen Entwicklungen dar.
Die iz3w versteht sich keineswegs als „neutrale“ Quelle für Informationen und Analysen zum Weltgeschehen. Vielmehr kritisiert sie die Ordnung einer Welt, die sie nicht für die beste aller denkbaren hält – eine Welt, die zwar genügend materielle Möglichkeiten geschaffen hat, um allen Menschen ein vernünftiges Leben garantieren zu können, in der stattdessen jedoch bis heute Milliarden in Elend und Unterdrückung leben. Sie will sich nicht abfinden mit Verhältnissen, die nur für einen kleinen Teil der Weltbevölkerung komfortabel sind, während gleichzeitig die Marginalisierung der Menschen fortschreitet, die für den Kapitalismus überflüssig und nutzlos geworden sind. Die sich regional wie global äußernden Unterschiede zwischen Verlierern und Gewinnern der bestehenden Weltordnung treten in den Verhältnissen zwischen Nord und Süd noch immer besonders deutlich zutage. Sie werden aber immer mehr verdeckt von harmonisierenden Begriffen wie „Eine Welt“, „Multikulturalität“, „Chancen des Weltmarkts“, „Universalität von Demokratie und Menschenrechten“ oder „internationaler Vernetzung“ und „Zivilgesellschaft“.
Die Zeitschrift ist eine Kooperationspartnerin des Internetportals Linksnet.
Ein weiterer Fokus liegt in der Sammlung von Zeitschriften, Zeitungen und Broschüren, die in einem Archiv der Öffentlichkeit zugänglich sind. Das Archiv ist Teil der „Kooperation Dritte Welt Archive – Archiv³“. Seit 1998 gibt es das Projekt FernWeh – Forum Tourismus & Kritik im iz3w. Es befasst sich mit Dritte-Welt-Tourismus, dessen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen und dem Blick auf das bzw. die „Fremde“. Seit Ende 2005 arbeitet das Projekt freiburg-postkolonial.de, das der Aufarbeitung der lokalen Kolonialgeschichte gewidmet ist, aber auch zahlreiche allgemeine Hintergrundtexte zum deutschen Kolonialismus und späteren Entwicklungen in den ehemaligen Kolonien bereitstellt.
Außerdem bietet das Projekt fernsicht (ehemals AG Bildung) seit 2008 Projekttage zu Themen der iz3w an Schulen und Jugendbildungseinrichtungen an. Bislang gab es Projekttage zu den Themen „Respect! Menschenrechte“, „No War – Frauen und Jugend im Krieg und für den Frieden“ sowie „Make it Happen – Lebensrealitäten in Südafrika abseits der WM“.
In loser Reihenfolge werden Bücher und Sonderausgaben herausgegeben. Weiterhin werden beispielsweise Lesungen mit Dichtern und Schriftstellern Asiens, Lateinamerikas und aus Afrika initiiert.
Das iz3w finanziert sich durch die Erlöse, die der Verkauf der Zeitschrift einbringt, Spenden und Zuschüsse von Stiftungen und anderen Geldgebern.
„… Symbiose aus Empathie und Coolness (…) intelligent-undogmatische Freiburger Sehenswürdigkeit.“ taz
„… meinungsbildend in der linken Gegenöffentlichkeit.“ Frankfurter Rundschau
„Das Heft ist ein wohltuendes Antidot gegen die Mischung aus Halbwissen, Google-Recherche und haltlosen Behauptungen, die derzeit in den Medien vorherrschen.“ Mark Terkessidis, Autor
„Eine der wichtigsten unabhängigen Zeitschriften zu Nord-Süd-Themen (…) Konstant sind das Bekenntnis zum Internationalismus und das Primat der Analyse gegenüber der Parole.“ Neues Deutschland
„…so lange die iz3w weiter fest zubeißt, ist alles nur halb so schlimm.“ Albrecht Kieser, Rheinisches JournalistInnenbüro
47.9897.84144Koordinaten: 47° 59′ 20″ N, 7° 50′ 29″ O

William Kristol

William „Bill“ Kristol (* 23. Dezember 1952 in New York City) ist ein US-amerikanischer politischer Kommentator und Kolumnist.
Kristol ist Sohn von Irving Kristol und dessen Gattin Gertrude Himmelfarb. Er wird, wie sein Vater, zu den bedeutendsten Protagonisten des Neokonservatismus in den USA gezählt. Kristol setzt sich leidenschaftlich für Israel ein und plädiert für die militärisch gestützte Hegemonie der USA weltweit sowie für die umfassende Revision des Völkerrechts (s. Neue Weltordnung). Bereits seit 1991 sprach er sich vehement für die Entmachtung Saddam Husseins aus, den er – wie er im Gespräch mit Charles Krauthammer offenbarte – lieber tot als interniert gesehen hätte.

Kristol wuchs in Manhattan auf. Der promovierte Politikwissenschaftler, dessen Interesse an politischen Themen bereits im Alter von zwölf Jahren erwachte (damals unterstützte er Daniel Patrick Moynihan bei dessen Kandidatur für den Stadtrat), absolvierte seine akademische Ausbildung an der Harvard University.
Wie viele Neokonservative stand er zunächst den Demokraten nahe; unter anderem unterstützte er Hubert H. Humphrey und „Scoop“ Jackson in deren Wahlkämpfen. Jackson galt als ausgewiesener Falke und Bellizist und wurde wegen seiner sehr engen Beziehungen zum größten US-Luftfahrtskonzern „Senator from Boeing“ genannt; für den „rightwinger’s rightwinger“ der Demokraten arbeitete etwa zeitgleich auch Richard Perle. 1976 wechselte Kristol zu den Republikanern, worin ihm Mitte der 1970er Jahre viele Neocons folgten. Er lehrte kurze Zeit Politik an der University of Pennsylvania und an der Kennedy School of Government der Harvard-Universität. Ab 1985 arbeitete er während der Präsidentschaft von Ronald Reagan im US-Bildungsministerium unter Minister William Bennett, wo er bald zum Stabschef aufstieg. Nach der Wahl von George Bush zum US-Präsidenten 1988 wurde Kristol Stabschef des Vizepräsidenten Dan Quayle, womit er zum Executive Office des Präsidenten gehörte. In Anspielung auf Quayles oft als unterentwickelt bezeichnete rhetorische und intellektuelle Fähigkeiten (er war der bei weitem meist karikierte und persiflierte Politiker jener Jahre; u.a. gab es parodistische TV-Shows) verspottete die den Demokraten nahestehende Zeitschrift The New Republic Kristol als „Dan Quayle’s Brain“.
Nach der Niederlage Bushs 1992 wurde er Fernsehkommentator bei ABC. Angeheuert hatte ihn Dorrance Smith, der ehemalige Communications Director des abgewählten Bush sen. 1994 wandte er sich an Rupert Murdoch mit dem Ansinnen, sein geplantes konservatives Magazin The Weekly Standard zu verlegen. 1998 verlor Kristol seinen Job bei „This Week“ von ABC; er ließ sich von anderen TV-Networks beschäftigen und startete eine lukrative Karriere als Redner. Kristol war Vorsitzender des Project for the Republican Future von 1993 bis 1994, 1993 war er zudem bei der Lynde and Harry Bradley Foundation in Milwaukee tätig, die u.a. konservative Denkfabriken wie das American Enterprise Institute finanziert. William Kristol saß in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auch zwei Jahre lang in einem Beraterkomitee für den damals in arge Turbulenzen geratenen Konzern Enron, das vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Kenneth Lay einberufen worden war.
Kristol war zusammen mit Robert Kagan auch Mitbegründer und stellvertretender Direktor des Project for the New American Century (PNAC). Schon vorher hatte er maßgeblichen Anteil an der Ausarbeitung und -formulierung der federführend von Paul Wolfowitz verantworteten Bush-Doktrin. In seinem zusammen mit Kagan in der weltweit als führend geltenden Fachzeitschrift „Foreign Affairs“ im Juli/August 1996 veröffentlichten Beitrag Toward a Neo-Reaganite Foreign Policy sahen viele die „Blaupause“ der Politik von Präsident George W. Bush. 1997 riefen die beiden Autoren das PNAC ins Leben, das 2006 aufgelöst wurde. Seine Nachfolgeorganisation Foreign Policy Initiative (FPI) gründete William Kristol 2009 und gehört seitdem ihrem Aufsichtsrat an.

Frieden von Utrecht (1474)

Der Frieden von Utrecht wurde 1474 in Utrecht zur Beendigung des 1469 begonnenen Hansisch-Englischen Krieges zwischen der Hanse und England geschlossen.
Das Eindringen englischer Kaufleute, der Merchant Adventurer, in den Ostseeraum (Umlandfahrer) und die ständigen Drangsalierungen des Stalhof, des Kontors der Hansestädte in London, durch die englische Krone führte 1470 zu einem gemeinsamen Krieg der Städte des Wendischen und des Preußischen Viertels der Hanse. Dieser Krieg wurde als Seekrieg in Form eines Kaperkrieges geführt. Bekanntestes Schiff dieses Seekrieges ist die von dem Kapitän Paul Beneke geführte Peter von Danzig. Der Frieden von Utrecht brachte für die Hansestädte unter der Verhandlungsführung des Lübecker Bürgermeisters Hinrich Castorp und des Lübecker Syndicus Johannes Osthusen einen günstigen Abschluss: Das Vordringen englischer Fernkaufleute in den Ostseeraum und deren Handlungsspielräume dort wurden eingeschränkt, der Stalhof in London gesichert und die Privilegien der Hanse dort weitgehend bestätigt. Das Ergebnis förderte auf Jahre den Tuchhandel der hansischen Städte. Für das durch die Rosenkriege krisengeschüttelte England unter König Eduard IV. von England wurde die Sicherheit des Seeverkehrs wiederhergestellt.