Kanton Digoin

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Der Kanton Digoin ist eine französische Verwaltungseinheit im Arrondissement Charolles, im Département Saône-et-Loire und in der Region Bourgogne. Sein Hauptort ist Digoin. Vertreter im Generalrat des Départements ist seit 2011 Philomène Baccot (PS).
Der Kanton ist 117,39 km² groß und hat 11.520 Einwohner (1999), was einer Bevölkerungsdichte von 98 Einwohnern pro km² entspricht. Er liegt im Mittel 264 Meter über Normalnull, zwischen 216 Metern in Saint-Agnan und 347 Metern in Les Guerreaux.
Der Kanton besteht aus fünf Gemeinden:
Autun-1 • Autun-2 • Blanzy • Chagny • Chalon-sur-Saône-1 • Chalon-sur-Saône-2 • Chalon-sur-Saône-3 • Charolles • Chauffailles • Cluny • Cuiseaux • Digoin • Gergy • Givry • Gueugnon • Hurigny • La Chapelle-de-Guinchay • Le Creusot-1 • Le Creusot-2 • Louhans • Mâcon-1 • Mâcon-2 • Montceau-les-Mines • Ouroux-sur-Saône • Paray-le-Monial • Pierre-de-Bresse • Saint-Rémy • Saint-Vallier • Tournus
Autun-Nord | Autun-Sud | Beaurepaire-en-Bresse | Bourbon-Lancy | Buxy | Chagny | Chalon-sur-Saône-Centre | Chalon-sur-Saône-Nord | Chalon-sur-Saône-Ouest | Chalon-sur-Saône-Sud | Charolles | Chauffailles | Cluny | Couches | Cuiseaux | Cuisery | Digoin | Épinac | Givry | Gueugnon | Issy-l’Évêque | La Chapelle-de-Guinchay | La Clayette | La Guiche | Le Creusot-Est | Le Creusot-Ouest | Louhans | Lucenay-l’Évêque | Lugny | Mâcon-Centre | Mâcon-Nord | Mâcon-Sud | Marcigny | Matour | Mesvres | Montceau-les-Mines-Nord | Montceau-les-Mines-Sud | Montcenis | Montchanin | Montpont-en-Bresse | Montret | Mont-Saint-Vincent | Palinges | Paray-le-Monial | Pierre-de-Bresse | Saint-Bonnet-de-Joux | Saint-Gengoux-le-National | Saint-Germain-du-Bois | Saint-Germain-du-Plain | Saint-Léger-sous-Beuvray | Saint-Martin-en-Bresse | Semur-en-Brionnais | Sennecey-le-Grand | Toulon-sur-Arroux | Tournus | Tramayes | Verdun-sur-le-Doubs

Jessie George Schatz

Jessie George Schatz, Spitzname Bubi, (* 12. August 1954 in Offenbach; † 9. August 1996 in Escambia County, Florida, USA) war ein deutsch-amerikanischer Staff Sergeant in der US-amerikanischen Militärverbindungsmission Neu Fahrland (Potsdam).
Schatz war der Fahrer von Major Arthur Nicholson auf der verhängnisvollen Aufklärungstour am 24. März 1985 in das Gebiet der DDR nach Techentin bei Ludwigslust, Mecklenburg-Vorpommern, bei der Nicholson von einem sowjetischen Wachposten erschossen wurde. Ssgt. Schatz zählte mit mehr als 150 Aufklärungsfahrten in der DDR zu den erfahrensten Mitgliedern der US Military Liaison Mission (USMLM). Nach Nicholsons Tod musste Schatz vor insgesamt sechs US-amerikanischen Untersuchungsausschüssen als Zeuge aussagen. Charles J. Fiala, Stabschef der 7. US-Armee (USAREUR), bezeichnete Schatz als den „berühmtesten Sergeant der US-Army“.
Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR überwachte Schatz zehn Jahre lang auf Schritt und Tritt, platzierte mehrere Inoffizielle Mitarbeiter in seinem Umfeld, ließ private Unterlagen entwenden, las seine Briefe, überwachte den privaten Telefonanschluss und terrorisierte ihn und seine Familie. 1979 und 1986 scheiterten zwei Versuche des sowjetischen Geheimdienstes KGB, Schatz als Agenten anzuwerben.
Schatz war verheiratet und hatte zwei Kinder. Sein Grab befindet sich auf dem Memory Park Cemetery in Milton, Santa Rosa County, Florida.

Fenoxycarb

weißes, kristallines Pulver
fest
53–54 °C
schwer löslich in Wasser: 6,0 mg·l−1
Achtung
16.800 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)
Fenoxycarb ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Carbamate. Die Verbindung ist ein breit wirksames Insektizid aus der Klasse der Entwicklungshemmer, welches von Maag (später Novartis) entwickelt und 1985 eingeführt wurde. Als Analogon des Juvenilhormons von Insekten hemmt es die Metamorphose zum Erwachsenenstadium (Imago) und stört die Häutung der Larven im Frühstadium.

Fenoxycarb kann durch Reaktion von p-Phenoxyphenol (p-Chlorphenol + Natriumphenolat) und 2-(Chlorethyl)-carbamidsäureethylester (2-Chlorethylamin + Chlorameisensäureethylester) gewonnen werden.
Fenoxycarb wird gegen den Fruchtschalenwickler, den Apfelwickler, den Pflaumenwickler, Miniermotten und den Traubenwickler eingesetzt.
Fenoxycarb ist in einigen Staaten der EU zugekassen, nicht jedoch in Deutschland und Österreich. In der Schweiz ist es für den Einsatz in Gewächshäusern zugelassen. Die Zulassung in Deutschland ist abgelaufen; das Aufbrauchende war der 30. Juni 2015.
Fenoxycarb ist für Säugetiere nur von geringer Giftigkeit und wird von der WHO als ungefährlich eingestuft, ist jedoch für Fische und Wirbellose toxisch. Die Halbwertszeit im Erdboden beträgt 84 Tage, unter Luftabschluss verlängert sie sich auf 136 Tage.

Porphyrio mcnabi

Porphyrio mcnabi ist ein ausgestorbenes Purpurhuhn, das auf der zu den Gesellschaftsinseln gehörenden Insel Huahine endemisch war. Das Artepitheton ehrt den Zoologen Brian K. McNab, der über die Evolution und physiologische Ökologie flugunfähiger Vögel, insbesondere Rallen, auf den Pazifikinseln forschte. Die subfossilen Überreste wurden in der Fundstelle Faʻahia zu Tage gefördert.
Der Holotypus ist ein nahezu vollständiger rechter Oberschenkelknochen. Die Paratypen umfassen einen distalen linken Oberschenkelknochen und einen linken Oberschenkelknochen, bei dem das distale Ende fehlt. Porphyrio mcnabi war ein kleines Purpurhuhn. Es hatte eine ähnliche Körpergröße wie das Zwergsultanshuhn (Porphyrio martinica) und der ebenfalls ausgestorbene Koau (Porphyrio paepae). Es war größer als das Bronzesultanshuhn (Porphyrio alleni) und das Azursultanshuhn (Porphyrio flavirostris), aber kleiner als die ausgestorbene Nordinseltakahe (Porphyrio mantelli), die Südinseltakahe (Porphyrio hochstetteri), das gewöhnliche Purpurhuhn (Porphyrio porphyrio) und das ausgestorbene Neukaledonische Purpurhuhn (Porphyrio kukwiedei). Es ist wahrscheinlich, dass die drei Oberschenkelknochen zu einem adulten Weibchen, einem juvenilen Männchen und einem weiteren juvenilen Vogel gehören. Aufgrund fehlender Skelettelemente des Flugapparates und des Schultergürtels lässt sich nicht schlüssig feststellen, ob Porphyrio mcnabi flugfähig war oder nicht.
Porphyrio mcnabi ist vermutlich während der frühen Besiedlung der Gesellschaftsinseln durch den Menschen zwischen 700 und 1200 n. Chr. ausgestorben.

Hans Standhardt

Hans Standhardt (* 21. Februar 1928 in Magdeburg), ehemaliger Chefkonstrukteur (bis 1992) des SKL Magdeburg, ist ein Motorenentwickler von mittelschnelllaufenden 4-Takt-Dieselmotoren.

Hans Standhardt erlernte nach Kriegsende, das er noch als Flakhelfer (Luftwaffenoberhelfer in der 2. Schweren Flakabteilung und der Schweren Flakbatterie 205/3, Arbeitsmann in der Abteilung 1/132 des Reichsarbeitsdienstes und Panzer-Grenadier im Panzer-Grenadier Ersatzbataillon 73) erlebte, den Beruf eines Kfz-Handwerkers (Motorenschlosser bei BMW der DERUNAPHT (Deutsch-Russische Naphta Aktiengesellschaft) in Magdeburg) und übte ihn bis 1951 aus.
Nach seiner Delegierung zum Studium, das er 1951 bis 1954 an der Staatlichen Ingenieurschule Magdeburg absolvierte sowie einigen Praktika (Prüfstandfahrer im Dampfmaschinenbau des SKL und als technischer Zeichner im Konstruktionsbüro für Dieselmotoren des SKL), begann er 1954 seine Tätigkeit im Konstruktionsbüro „Dieselmotoren“ des SKL Magdeburg.
Zunächst beschäftigte er sich mit Drehschwingungsproblemen. Mit der Bildung des Leit-BEK „Dieselmotoren“ in Magdeburg eröffnete sich ihm die Möglichkeit, sich umfassend über den Stand der Technik auf dem Gebiet der Entwicklung hochaufgeladener 4-Takt-Motoren zu orientieren. Erste Patentanmeldungen aus dieser Zeit fanden im Zeitraum 1957 bis 1963 ihre Anwendung bei der Entwicklung des ersten hochaufgeladenen 4-Takt-Dieselmotors der DDR. Das Versuchsmuster dieses Motors wurde zwar gebaut und erprobt und zeigte ausgezeichnete Ergebnisse, jedoch Bedenken der traditionellen SKL-Motoren-Abnehmer verhinderten damals eine Fertigungsaufnahme.
Die unter seiner Leitung 1964 aufgenommene Entwicklung der Typenreihe VD26/20 führte ab 1969 zur Überleitung dieser Typenreihe der 3. Motoren-Generation in das Produktionsprogramm des SKL. 3000 bisher gebaute Motoren dieser Typenreihe, als Schiffhaupt- und -hilfsmotoren sowie im Generatorenbetrieb eingesetzt, versehen sowohl auf Frachtschiffen und Fischereifahrzeugen als auch in Elektro-Land-Stationen ihren Dienst.
Nach der Bildung des Kombinates SKL wurde ihm die Leitung der Konstruktion des 12 VD48/42AL-2, des bis 1989 größten im RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) entwickelten 4-Takt-Dieselmotors, übertragen und die Entwicklung mit der Produktionseinführung 1975 im Kombinatsbetrieb VEB Maschinenbau Halberstadt abgeschlossen. Die sich ab 1978 anschließende Entwicklung der Typenreihe VDS24/24AL, die ab 1985 zum Produktionsprogramm des SKL-Magdeburg gehörte, war eine an den Erfahrungsträgern orientierte naheliegende Entscheidung. Besonders am VDS24/24 wurden durch ihn eine Reihe neuer Konstruktionslösungen, die zum wesentlichen Teil als Patente bestätigt wurden, eingeführt.
Über viele Jahre war er Leiter des Fachunterausschusses Konstruktion des SKL, in dem die Chefkonstrukteure der Kombinatsbetriebe regelmäßig ihre Erfahrungen austauschten.
41 Motorenkonstruktionen, 138 Patentanmeldungen (davon 45 im Ausland), die durch ihn selbst oder unter seiner maßgeblichen Mitwirkung entstanden, sind im Laufe der Jahre zum Allgemeingut des nationalen und internationalen Motorenbaues geworden, dies auch durch eine Reihe von Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften.
1995 war er freiberuflich als Entwicklungsleiter für Gasmotoren im Elbewerk Roßlau (Elbe) tätig. In den Jahren 1995 bis 2000 sowie 2007 bis 2012 war er freiberuflicher Entwicklungsleiter für Diesel-Gas-Motoren und Schwerölmotoren in der Maschinenbau Halberstadt GmbH. Von 2000 bis 2014 konstruierte er eine neue Motorenfamilie (11 Baureihen) u. a. mit VVT (Variable Ventilsteuerung), Bohrungsdurchmesser 160-640mm.
Sein umfangreiches Fachwissen auf dem Gebiet der Motorenentwicklung stellte er bis 2014 noch als Berater zur Verfügung.
Hans Standhardt ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Als Parteiloser fand sein engagiertes Wirken in der DDR Anerkennung durch die Verleihung des Titels „Oberingenieur“, der Verleihung der Verdienstmedaille der DDR (1974), der Auszeichnung als Verdienter Erfinder (1974) sowie die Auszeichnung Banner der Arbeit, Stufe II (1975). Weiterhin die Goldmedaille (Leipziger Messe 1973, 1987) für den 6 VD 26/20 AL2 und VDS 48/42.

Sergio Livingstone

Sergio „Sapito“ Livingstone im Nationaltrikot (1943)
Sergio Roberto „Sapo“ Livingstone Pohlhammer (* 26. März 1920 in Santiago de Chile; † 11. September 2012 ebenda) war ein chilenischer Fußballtorwart, der sich nach seiner Fußballkarriere als Journalist etablierte. Auf Vereinsebene hatte er in den 1940er und 1950er Jahren Erfolge mit CD Universidad Católica in seiner Heimatstadt. Mit der Nationalmannschaft Chiles nahm er unter anderem an der Fußball-Weltmeisterschaft 1950 in Brasilien sowie an sechs Südamerikameisterschaften teil und ist bis heute der Rekordspieler des Wettbewerbes. Er gilt als der erste große Fußballstar seines Landes.
Sergio Livingstone wurde 1920 als Sohn einer schottischen Einwandererfamilie geboren. Sein Vater John Livingstone gilt als einer der Pioniere des Fußballsports in Chile, sogar als der Erste, der einen Fußball ins Land brachte. Er spielte beim Santiago National FC.
Als Jugendlicher schloss sich Sergio Livingstone ursprünglich Unión Española an, kam dort aber kaum zum Spiel. Schließlich gab Livingstone den Fußball erst einmal auf, um an der Pontificia Universidad Católica de Chile Recht zu studieren. Dort kam er bald in Kontakt mit deren Fußballmannschaft und etablierte sich ab 1938 zwischen den Pfosten der Kampfmannschaft des CD Universidad Católica in Santiago de Chile.
Im Februar 1941 debütierte er noch als 20-Jähriger in der chilenischen Nationalmannschaft bei der in Chile ausgetragenen Südamerikanischen Fußballmeisterschaft und gewann mit ihr deren Auftaktspiel gegen Ecuador mit 5:0. Chile wurde am Ende Dritter und Livingstone wurde zum besten Torwart des Turniers gewählt.
1943 wechselte er für die beachtliche Ablösesumme von 280.000 Pesos (damals etwa 24.000 US-Dollar) zum argentinischen Spitzenverein Racing Club in Avellaneda, einem industriellen Vorort der Hauptstadt Buenos Aires. Nach 30 Spielen für Racing kehrte er aber nach nur einem Jahr aus Sentimentalität zu Católica zurück.
Sergio Livingstone, oft auch El Sapo, „der Frosch“, genannt, gewann mit Universidad Católica in den Jahren 1949 und 1954 zwei Mal den chilenischen Meistertitel. 1955 gelang dem Universitätsklub dabei das Missgeschick, umgehend im Jahr nach der Meisterschaft abzusteigen, stieg aber postwendend wieder auf.
1957 wurde er für eine Saison zum Ortskonkurrenten CSD Colo-Colo ausgeliehen. Nach seiner Rückkehr zu Universidad Católica beendete er dort 1959 im Alter von 39 Jahren seine Laufbahn.
Bis 1954 hütete Livingstone insgesamt 52 Mal das Tor der Nationalmannschaft, womit er bis 1963 Rekordnationalspieler Chiles war, und nahm mit ihr bis 1953 an fünf weiteren Südamerikameisterschaften teil. 1945, ebenso in Chile, erreichte Chile dabei erneut einen dritten Rang. Insgesamt spielte er 34 Mal in der Südamerikameisterschaft, was bis heute Rekord ist. Ein weiterer Karrierehöhepunkt war die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 1950 in Brasilien, wo Livingstone bei allen drei Spielen, sowohl bei den beiden 0:2-Niederlagen gegen England und Spanien, als auch beim 5:2-Sieg gegen die USA, hinter sich greifen musste.
Nach Ende seiner aktiven Sportler-Karriere entwickelte sich Livingstone zu einem bedeutenden Sportjournalisten und arbeitete als Kommentator in Rundfunk und Fernsehen. Ab 1969 war er bei Televisión Nacional beschäftigt und wurde dort zur emblematischen Figur des Programms Zoom Deportivo, das von 1985 bis zu seiner Einstellung im Dezember 2011 für viele Chilenen den sonntäglichen Mittag definierte.
Im Jahre 2009 wurde eine Straße im Bezirk Independencia von Santiago nach Sergio Livingstone benannt.
Am 11. September 2012 verstarb Livingstone im Alter von 92 Jahren in Santiago de Chile.

Franz Joseph Ess

Franz Joseph Ess (* 1735; † 1796 in München) war ein deutscher Porzellanbildner.

Über die Biographie des Künstlers ist wenig bekannt. Er arbeitete zeitweise in der 1758 gegründeten Porzellanmanufaktur des Herzogs Carl Eugen von Württemberg. Geleitet wurde diese Manufaktur in Ludwigsburg zunächst von Joseph Jakob Ringler, der zuvor in Höchst, Straßburg und Nymphenburg tätig gewesen war und offenbar z. T. Arbeitskräfte anwarb, die er in den dortigen Porzellanmanufakturen kennengelernt hatte. Darunter war Gottlieb Friedrich Riedel und wahrscheinlich auch der Modelleur Franz Joseph Ess. Dieser wurde am 20. Januar 1760 eingestellt. Er erhielt zunächst ein monatliches Gehalt von 24 Gulden, das jedoch schon nach drei Monaten erhöht wurde. Ess, der wahrscheinlich vorher in Höchst gearbeitet hatte, blieb bis 1763 in Ludwigsburg. Danach zog er nach Nymphenburg. In seinen letzten Lebensjahrzehnten lebte er als „Burger und Medaillenformateur“ in München.
In einer Annonce in den Münchener Intelligenzblättern aus dem Jahr 1783 wird er als „ehemaliger Hausmeister des kurfürstl. albertinischen Kollegiums in Ingolstadt“ bezeichnet. Mehreren Zeitungsanzeigen und Katalogen aus seinen späteren Jahren ist zu entnehmen, dass er mehrere Tausend Abdrücke von Münzen und Medaillen aus einer porzellanartigen Masse zu verkaufen versuchte.
Zu Ess‘ besonderen Fähigkeiten gehörte offenbar die Gestaltung von lebensecht wirkenden Porzellanblumen und -blüten, weshalb auch zahlreiche Ludwigsburger Prunkvasen aus der Zeit vom 1760 bis 1763 mit Blütengirlanden geschmückt sind. Porzellanblumen nach Entwürfen Ess‘ werden nach wie vor hergestellt und verkauft.
Ess, der zuvor relativ unbekannt war, geriet durch eine Ausstellung der Sammlung Reinhard Jansen im Jahr 2008 in den Blickpunkt der Forschung. Viele seiner Werke, die sich in den Beständen verschiedener Museen befinden, wurden im Zuge der Vorarbeiten und der Katalogerstellung identifiziert. Ess schuf unter anderem eine Gruppe von Kinderfiguren, die die vier Jahreszeiten verkörpern, eine Serie von stehenden Göttern, Tänzer- und andere Paare sowie Figuren von Damen in Reifröcken.
Als charakteristische Merkmale von Ess-Figuren gelten nicht nur die miteinander verbundenen Mittel- und Ringfinger seiner menschlichen Gestalten, sondern auch die etwas verrenkte Körperhaltung, die vor allem den stehenden Göttern eigen ist: Die Figuren – eine Venus und ein Merkur etwa befinden sich im Berliner Kunstgewerbemuseum, ein Jupiter in Jansens Sammlung – weisen ein deutliches Hohlkreuz und einen Bauchansatz auf und greifen mit den Unterarmen vor sich in den Raum.
Die Serie ist derzeit wahrscheinlich nicht vollständig bekannt; Jansen nimmt an, dass verschollene weitere Götterfiguren von Ess wieder auftauchen könnten. Dasselbe gilt für eine ähnliche Götterserie, die Ess‘ Zeitgenosse Johann Wilhelm Götz schuf und die von genauerem anatomischem Wissen zeugt.
Götz‘ Repertoire weist eine weitere Ähnlichkeit mit dem von Ess auf; er schuf ebenfalls eine Allegorie der vier Jahreszeiten, wie sie im Rokoko beliebt war. Während die Kinderfiguren, die Ess gestaltete, laut Christel Heybrock einen Aspekt der Putzigkeit besitzen, gestaltete Götz seine Vier Jahreszeiten aber als repräsentativen Tafelaufsatz, der aus vier mit Rocaille-Ornamenten bekrönten Bänken besteht, auf denen jeweils ein poussierendes Pärchen sitzt.

Charles Mair

Charles Mair (* 21. September 1838 in Lanark County, Oberkanada; † 7. Juli 1927 in Victoria, British Columbia) war ein kanadischer Dichter und Dramatiker. Als Mitglied der Canadian Party und Mitbegründer von Canada First bekämpfte er während der Red-River-Rebellion die von Louis Riel angeführte provisorische Regierung.
1857 brach er sein Medizinstudium an der Queen’s University in Kingston nach einem Jahr ab, um dem in finanzielle Not geratenen Holzhandelsunternehmen seiner Familie zu helfen. Zehn Jahre lang arbeitete er als Verkäufer und begann in dieser Zeit, Gedichte zu schreiben. 1868 wurde sein erster Gedichtband Dreamland and other poems veröffentlicht, dessen romantische Beschreibung unberührter Natur stark von John Keats beeinflusst war. Im selben Jahr gehörte er zu den Mitbegründern der Bewegung Canada First, deren Ziel es war, den kanadischen Nationalismus zu fördern.
William McDougall, Minister für öffentliche Arbeiten, ernannte Mair zu seinem Sekretär, um ihn bei den Vorbereitungen für den Übergang von Ruperts Land an den kanadischen Staat zu unterstützen. Gleichzeitig war Mair für mehrere Zeitungen, darunter The Globe, als Korrespondent in der Red-River-Kolonie tätig. Er heiratete Eliza McKenney, die Nichte von John Christian Schultz. Durch die Freundschaft mit dem Gründer der nationalistischen Canadian Party wurde Mair in die Ereignisse der Red-River-Rebellion hineingezogen. Nachdem er und fünfzig weitere Männer sich in Schultz’ Haus verbarrikadiert hatten, geriet er in Gefangenschaft und wurde zum Tode verurteilt
Mair konnte später jedoch nach Ontario fliehen, wo er zusammen mit Schultz den Hass gegen Louis Riel und die provisorische Regierung schürte. Ein Manuskript, an dem er fünf Jahre gearbeitet hatte, ging während der Rebellion verloren. Mair führte in Portage la Prairie einen Laden und war auch als Agent für die North West Emigration Aid Society tätig, die Einwanderer unterstützte. Er schrieb weiterhin Gedichte für verschiedene Zeitungen und siedelte 1877 mit seiner Familie nach Prince Albert über.
Während der Nordwest-Rebellion im Jahr 1885 gehörte Mair einer Einheit von Freiwilligen an, die eine Telegrafenstation bewachte. 1886 veröffentlichte er das Blankvers-Drama Tecumseh, sein bedeutendstes literarisches Werk. Es nimmt Bezug auf das Leben des Indianerhäuptlings Tecumseh und stellt den kanadischen Staat als heroisches Gemeinschaftswerk des britischen Empire dar, das im Gegensatz zum entzweienden Individualismus der USA steht. 1889 wurde Mair in die Royal Society of Canada aufgenommen. In den folgenden Jahren war er wieder als Einwanderungsagent tätig. Basierend auf seiner Arbeit als Sekretär für James Andrew Joseph McKenna veröffentlichte er 1908 Through the Mackenzie Basin, in welchem er dazu aufruft, die Bräuche und Traditionen der Ureinwohner vor dem schädlichen Einfluss der Zivilisation zu schützen.
Seine letzten Lebensjahre verbrachte Mair in Victoria, British Columbia. 1924 erhielt er einen Ehrendoktortitel der Queen’s University.

Roland Emmerich

Roland Emmerich (* 10. November 1955 in Stuttgart) ist ein deutscher Filmproduzent, Regisseur und Drehbuchautor. Berühmt wurde Emmerich durch seine Katastrophenfilme wie Independence Day, Godzilla, The Day After Tomorrow und 2012 sowie Stargate aus dem Jahr 1994, auf dem auch mehrere Serien und Filme basieren.

Roland Emmerich wurde in Stuttgart-Obertürkheim geboren und wuchs in Maichingen auf. Er besuchte das Gymnasium in den Pfarrwiesen Sindelfingen. Im Jahr 1977 fing er an, an der Hochschule für Fernsehen und Film München Szenenbild zu studieren. Nachdem er Star Wars gesehen hatte, wechselte er allerdings ins Regiefach.
Sein Abschlussfilm Das Arche Noah Prinzip sprengte dabei in jeder Hinsicht den Rahmen. Größtenteils fremdfinanziert, kostete er etwa eine Mio. DM – das Budget für einen Abschlussfilm lag damals bei 20.000 DM. Auch das Genre irritierte, denn opulent ausgestattete Science-Fiction-Filme aus Deutschland waren eher unüblich. Letztendlich wurde der Film, der 1984 auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin uraufgeführt wurde, aber ein beachtlicher Erfolg.
Mit den in Deutschland produzierten, aber in englischer Sprache gedrehten Filmen wie Joey, Hollywood Monster und Moon 44 konnte Emmerich schließlich in Hollywood Aufmerksamkeit erregen. Ein weiteres Resultat des Films Moon 44 war die langjährige Zusammenarbeit mit Dean Devlin, der fortan als Drehbuchautor und Produzent bei Emmerichs Filmen tätig war, sowie Volker Engel, der als VFX-Supervisor für die Spezial-Effekte mehrerer seiner Filme verantwortlich zeichnete. 1992 drehte er dann den Science Fiction-Film Universal Soldier mit Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren, mit dem ihm der endgültige Durchbruch in Hollywood gelang. Sein langjähriges Interesse an Prä-Astronautik und den Theorien Erich von Dänikens setzte er 1994 mit dem Film Stargate um.
Den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere erreichte er dann 1996 mit Independence Day, einem Blockbuster, der auch heute einen der vordersten Plätze in den Ranglisten der erfolgreichsten Filme belegt. 1998 folgte mit Godzilla eine Neuinterpretation der japanischen Monsterfilme. 1994 war er bei dem Film High Crusade – Frikassee im Weltraum sowie 1999 bei dem Film The Thirteenth Floor als Produzent tätig. 2000 begab sich Emmerich dann auf ernsteres Terrain, als er bei Der Patriot Regie führte, der 1776 zur Zeit der Amerikanischen Revolution spielt, die Hauptrollen in Der Patriot übernahmen Mel Gibson und Heath Ledger. In der Zeit danach beschränkte sich Emmerich hauptsächlich auf das Produzieren, bevor er im Mai 2004 mit The Day After Tomorrow als Regisseur auf die Leinwand zurückkehrte. In einem Interview mit der Zeitschrift Merian gab Emmerich im November 2009 bekannt „… dass 2012 mein letztes Desaster-Movie ist. Es ist die Mutter aller Zerstörungsfilme, mit Effekten, wie man sie noch nie gesehen hat. Ich wüsste wirklich nicht, was ich danach noch zerstören sollte.“
Als Chefin der 1985 gegründeten gemeinsamen Produktionsfirma Centropolis Entertainment (früher Centropolis Film) wirkt seine Schwester Ute Emmerich bei den meisten seiner Filme wie er selbst als Executive Producer mit.
Emmerich lebt offen homosexuell mit seinem Lebensgefährten, dem Popsänger Mowgli Moon, mit dem er sich eine Hochzeit vorstellen könne: „Früher hat keiner gewusst, dass ich schwul bin, heute ist mir das wurscht. Ich finde es wichtig, dass man zu politischen Themen wie der Homosexuellen-Ehe Stellung bezieht.“ Seine Wohnorte sind Los Angeles, London und Berlin.
Am 26. November 2009 erhielt er zusammen mit Florian Henckel von Donnersmarck, Michael Ballhaus, Oliver Hirschbiegel und Caroline Link (alle Oscar-Nominierte bzw. -Gewinner) einen Ehren-Bambi Deutsche in Hollywood. Die Trophäen überreichte Jürgen Prochnow.
Emmerich engagiert sich außerdem für die Menschenrechte. So saß er in der Jury, die bei der Auswahl eines universellen Logos für Menschenrechte half.
Bei der Berlinale 2005 war Emmerich Präsident der Internationalen Jury.
2006 spendete Emmerich 150.000 US-Dollar für das Legacy Project, ein gemeinsames Projekt des Film- und Fernseharchivs der UCLA und des größten Filmfestivals von Los Angeles, Outfest, zur Bewahrung und Restaurierung lesbischer und schwuler Filme.
2007 war Roland Emmerich Gastredner bei der fmx/07 in Stuttgart, einer der wichtigsten internationalen Konferenzen für Animation, Effekte, Spiele und digitale Medien.
Im März 2008 kam Emmerichs Projekt 10.000 B.C. (Drehbuch: Roland Emmerich und Harald Kloser) weltweit in die Kinos; ein Film der, nachdem das Sony-Studio Columbia Pictures zwischenzeitlich sein Interesse daran verloren hatte, von Warner Bros. produziert wurde. Der ca. 110 Millionen US-Dollar teure Streifen hatte schon nach vier Wochen mehr als 200 Mio. US-Dollar eingespielt.
Emmerichs Film 2012 mit John Cusack, Woody Harrelson und Danny Glover in den Hauptrollen startete am 12. November 2009 weltweit in den Kinos und erreichte bereits nach acht Wochen ein weltweites Einspielergebnis von 730 Mio. US-Dollar. 2012 ist somit der zweiterfolgreichste Film seiner Karriere.
Ab März 2010 fanden in den Filmstudios Babelsberg in Potsdam die Dreharbeiten für seinen Film Anonymus (Arbeitstitel: „Soul of the Age“) statt. Das Drama um die Urheberschaft der Werke von William Shakespeare nach einem Script von John Orloff (unter anderem Drehbuchautor von Band of Brothers) startete in Deutschland im November 2011. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde Anonymus den Presse- und Medienvertretern vorgestellt. Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion diskutierte Emmerich mit dem Publizisten Hellmuth Karasek, dem Präsidenten der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft und Uni-Dozent für Anglistik Tobias Döring, dem Shakespeare-Übersetzer Frank Günther und dem Autor des Buches Der Mann, der Shakespeare erfand, Kurt Kreiler. Das Thema der Diskussion war die langjährige Debatte um die William-Shakespeare-Urheberschaft.
Ende 2012 drehte Emmerich den Film White House Down, der im Juni 2013 Premiere feierte. Darin geht es um einen Secret-Service-Mitarbeiter (Channing Tatum), der das Leben des amerikanischen Präsidenten (Jamie Foxx) retten soll, der im Weißen Haus von einer paramilitärischen Gruppe gefangen genommen worden ist.
Bis auf Weiteres verschoben hat Roland Emmerich ein Remake des Kinofilms Die fantastische Reise, One Nation (einen politischen Thriller, geschrieben von The-Day-After-Tomorrow-Drehbuchautor Jeffrey Nachmanoff) und King Tut, einen Film über den ägyptischen Pharao Tutanchamun.
2014 bereitet Roland Emmerich die Verfilmung des Historienepos Maya Lord vor, das auf der Romanvorlage des Schriftstellers John Cue Robbins beruht. Es handelt sich um die Verfilmung der wahren Geschichte des Gonzalo Guerrero, der 1511 nach einem Schiffbruch von Maya gefangen genommen wurde und schließlich zu ihrem Verbündeten wurde.
Im Sommer 2014 drehte Emmerich das Drama Stonewall nach einem Drehbuch von Jon Robin Baitz, der Film kam in den USA im September 2015 in die Kinos.

Fetisch Film Festival

Das Fetisch Film Festival findet seit dem Jahr 2008 immer im Herbst in Kiel statt. Präsentiert werden neue Filme (Spiel- und Dokumentar-, kurze and lange Arbeiten), die einen erotischen Fetisch abbilden, liebevolle BDSM-Inszenierungen zeigen, die von offenen Partnerschaften (Polyamory/Swinger/Cuckold) und Crossdressing handeln. „Safe, sane and consensual“ (sicher, gesund und einvernehmlich) ist ein Leitmotto der Filmauswahl.
Das Filmfestival ist für internationale Künstler eine zentrale Plattform, um ihre Werke öffentlich zu zeigen und Feedback zu erhalten. Die Veranstaltung soll ein Beitrag zu Aufklärung, sexueller Selbstbestimmung, Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz sein, die BDSM-Subkultur stärken, Menschen einen Erkenntnisgewinn über sich ermöglichen und abseits von Computern eine reale Möglichkeit von Kommunikation und Begegnung bieten.
Das Publikum diskutiert im Kino über die Filme und bewertet auf Fragebögen. Auf dieser Grundlage werden die Awards des Festivals vergeben.
Preisträger Bester Film des Jahres: